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Ökumenischer Gottesdienst beim Tag des offenen Hofes in Ruthe

Gottesdienst vor ungewöhnlicher Kulisse: Superintendent Helmut Aßmann (li.) und Andreas Handzik (re.) erinnern an die Achtsamkeit vor den Gaben der Natur.

Gottesdienst vor ungewöhnlicher Kulisse: Superintendent Helmut Aßmann (li.) und Andreas Handzik (re.) erinnern an die Achtsamkeit vor den Gaben der Natur.

Ruthe. Die Idylle ist kaum zu überbieten. Rechts blökt eine Gruppe Schafe auf der Weide, weiter vorne, im Eingang zum Pferdestall, sitzen drei Personen an alten Spinnrädern und spinnen geschickt Fäden über das Schwungrad. Es gibt selbst gemachten Honig, Gemüse zum Verkauf, Informationen zu Tierhaltung und Ackerbau und – das darf nicht fehlen an diesem sonnigen Tag – einen festlichen ökumenischer Gottesdienst, der den Tag des offenen Hofes auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe eröffnet. Zum zehnten Mal findet der Tag des offenen Hofes in Niedersachsen statt, neben Ruthe sind über 80 Höfe beteiligt.

Über dem Eingang der alten Wagen-Remise hängt ein Kornkranz, die kleine Bühne ist geschmückt mit bunten Blumen, die in Milchkrügen stecken. Superintendent Helmut Aßmann und Andreas Handzik, Leiter der Gemeinde „Guter Hirt§ in Hildesheim, begrüßen die Festgemeinde. Auch für sie ist der Gutshof in Ruthe ein ungewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst.

„Das ist schon eine Nummer“, sagt Diakon Handzik. „Es geht hier hautnah um Schöpfung und darum genauer hinzuschauen, nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive, sondern auch aus theologischer Sicht. Das ist eine schöne Aufgabe.“ Dabei ist der Bauernhof ein dankbarer Ort, ist er doch voller Zeichen des Lebens und des Lebendigen. Die Saat, die ausgesät wird und zu einer Pflanze aufgeht, die Spreu, die vom Weizen getrennt wird – kaum ein Ort macht die Gleichnisse Jesu so erfahrbar wie dieser.

Das bestätigt auch Superintendent Aßmann – große Teile der Bibel kommen aus einer bäuerlich geprägten Gesellschaft, vom Garten Eden bis zu den Gleichnissen Jesu. Deshalb sei es ebenso nahe liegend wie wichtig, verantwortlich mit den Gaben der Natur umzugehen: „Unter heutigen Wirtschaftsbedingungen bedarf es einer sorgfältigen Abwägung zwischen geschöpflicher Gabe und landwirtschaftlicher Produktion. Das ist eine Aufgabe, in der die Dinge kritisch verhandelt werden müssen. Es gehört zu den Aufgaben der Kirche, diese Abwägung geistlich und theologisch zu reflektieren.“

In seiner Predigt appelliert Aßmann an einen sensiblen Umgang mit den Gütern der Natur, die zwar von Gott gegeben seien, aber mit Bedacht geerntet werden sollten. „Das Leben an sich kriegen wir nicht kaputt, es ist die Zusage, dass alles „gut gemacht“ ist. Wir müssen aber daran arbeiten, dass die Güter der Schöpfung durch unser Handeln nicht deformiert und unfruchtbar werden.“ Der Tag des offenen Hofes sei ein dankbarer Tag, um für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren. Der Tag solle, so Aßmann, verstanden werden als „Tag des Dankes, der Besinnung und als Tag der Freude darüber, dass das alles so gut schmeckt – vorausgesetzt der Koch ist gut.“

Untermalt wurde der Gottesdienst im alten Backsteingemäuer von den erhabenen Stimmen des Kirchenchores der St. Nikolai-Gemeinde Heisede-Ruthe, der Unterstützung erhielt von Sängerinnen und Sängern eines Chores aus Bennigsen. Die Rocking Vets, die Bigband der Tierärztlichen Hochschule, spielte dazu im Quartett direkt neben einem kleinen Kaninchen-Gehege. So verwandelte sich die alte Wagen-Remise in einen Ort feierlich-musikalischer Zusammenkunft.

Und wem das immer noch alles zu irdisch war, beim Gottesdienst auf dem Forschungsgut in Ruthe, der hatte im Anschluss Gelegenheit, die Welt von oben zu sehen – per Hubschrauber-Flug.