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Sarstedt summt – wenn die Dresdner Salon-Damen singen

KB22012015Salondamen1011BlockflötenSarstedt (stb). Mit Schmiss, Rhythmus und ausverkauftem Stadtsaal begann das Jahr 2015 für die Kulturgemeinschaft. Als leichtfüßig-verspieltes Zugpferd erwiesen sich die Dresdner Salon-Damen, die das Publikum auf eine musikalische Weltreise der anderen Art mitnahmen. In den 20er bis 50er Jahren des letzten Jahrhunderts war das Fernweh groß, ging es in Schlagern gern um südliche Gefilde, aber auch bessere Zeiten und natürlich die Liebe. Das Programm hieß „In der himmelblauen Limousine“, nach einem Lied des Komponisten Peter Igelhoff, der viele Unterhaltungsperlen für Rundfunk, Film und Fernsehen schuf. Es ging um die Fragen „Wen mitnehmen? Was mitnehmen? Wohin?“ Zu allem gab es im weitesten Sinne ein Lied als Antwort. Und den Sarstedtern ist nun auch klar: „Nehmen Sie nie eine Adelheid mit!“ – Zu unzuverlässig, das besungene Fräulein.

Mezzosopranistin Susann Jacobi führte witzig und spontan und immer mit einem Hauch Selbstironie durch den Abend, setzte die Pointen mit ihrer dunklen, warmen aber nicht weichen Stimme auf den Punkt.
Nach zwei Stücken begann bereits leises Gekicher in den Stuhlreihen, als die bekannte „Isabella von Kastilien“ hemmungslos zum Rausschmiss des untreuen „Schönen Eduardo von Kastilien“ umgedichtet wurde. Mit kleinen Geschichten führte Jacobi von Schlager zu Schlager. Und pfeifen kann sie auch.
Bei „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ war es dann soweit: Sarstedt summte, sang sogar leise mit. Nach der Pause, bei den „Caprifischern“, die Violinistin Karolina Petrova sang und die mit einem gekonnt dilettantischen Blockflöten-Quartett begannen, setzten dann wieder die – so Jacobi – „Sarstedter Fischerchöre“ ein.
Die Damen haben vielfältige Talente: Bandleaderin Cécile Pfeiff kann nicht nur fulminant Klarinette und vor allem Saxophon spielen, sondern auch singen. Violinistin Franziska Graefe beherrscht zusätzlich den Jazzbesen auf der Handtrommel und Pianistin und Akkordeonistin Silke Krause, die auch für diverse freche Zwischenrufe und ein herrlich pseudo-ernstes Diven-Solo am Klavier gut war, schrieb die meisten der Arrangements.
Beate Hoffmann an Kontrabass und Cello ist für den swingenden Rhythmus zuständig, beglückend präsent nicht nur wegen der Größe ihres Instrumentes.
Als Zugabe „Mit Musik geht alles besser“ und „Kauf Dir einem bunten Luftballon“.
Im amüsierwilligen Publikum nahmen die meisten die Gelegenheit wahr, sich chic zu machen: Manche Dame trug Fell, Federn und Spitze. Die fünf Salon-Damen gewandeten sich zu Beginn in glühendes Rot, verziert mit Perlen und Jetsteinchen, entworfen von Dresdner Modedesignern. Nach der Pause wurden die Dekolletés noch tiefer, die Rockschlitze höher an den Glitzerroben in Petrol. Dazu Hut – nein, Chapeau – oder albern wippende Feder-Puschel im Haar. Ein sehens- und hörenswertes Gesamtkunstwerk.
Doch dieser Abend war nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis. Für die Kulturgemeinschaft war es der Auftakt für eine neue Kooperation. Eva Lutze-Sippach, die – passend zum Outfit der Musikerinnen – gut behütet den Abend moderierte, freute sich, einen neuen Förderer begrüßen zu dürfen: Die Kreiswohnbau, die sich nach eigenem Bekunden Sarstedt ganz besonders verbunden fühlt und sich schon lange auch über das reine Wohnen hinaus für das soziale Wohlbefinden der Bürger engagiert, ist neuer Partner der Kulturgemeinschaft und wird diese bei zwei Veranstaltungen pro Jahr finanziell unterstützen. Für das kommunale Unternehmen ein Grund, in kleinem Kreis Partner zu dem Konzert einzuladen.