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Edeka-Logistikzentrum wird Notunterkunft

Seit Wochen sind sie auf dem Weg. Nach Europa, nach Deutschland: Flüchtlinge, viele aus Syrien. Hunderttausende. Bisher ist nur ein Bruchteil von ihnen in Sarstedt angekommen. Doch dass es mehr werden, war abzusehen. Seit diesem Donnerstag ist es Gewissheit. Im leerstehenden EDEKA-Logistikzentrum im Gewerbegebiet Helperder Straße soll Platz geschaffen werden für Hunderte. Das Land Niedersachsen plant, in der Immobile, die bereits seit Oktober 2014 nicht mehr von EDEKA als Lager genutzt wird, eine Notunterkunft für mehrere hundert Flüchtlinge einzurichten. Sie sollen von dort weiterverteilt werden. Bereits in der nächsten Woche kommen möglicherweise die ersten. Bis dahin arbeiten Land, Stadt und Organisationen unter Hochdruck an den Vorbereitungen. Die Johanniter werden dabei federführend bei der Organisation, aber auch Durchführung sein. Bürgermeisterin Heike Brennecke informierte am heutigen Donnerstag auf einer Pressekonferenz über die Lage.

Die Bürgermeisterin lädt für den morgigen Freitag, 25.09.2015, um 17.30 Uhr alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einer öffentlichen Bürgerversammlung in den Stadtsaal am Wellweg. Dann soll Zeit sein für Informationen, Fragen und Antworten.

Das KLEEBLATT hat einige Fragen schon mal zusammengestellt, die in der Pressekonferenz beantwortet wurden:

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Warum das EDEKA-Lager?
Dr. Alexander Götz, Referatsleiter im Innenministerium und zuständig für die Koordination aller Belange, die Flüchtlinge betreffen: „Grundsätzlich suchen wir immer zuerst Liegenschaften das Landes wie zum Beispiel Kasernen, dann andere. Wir wurden auf die leerstehende Immobilie hingewiesen. In solch einem Fall prüfen wir die Gegebenheiten auf Verfügbarkeit und Fläche.“
Helfried Basse vom Dezernat für Sicherheit, Ordnung und Umwelt im Landkreis Hildesheim: „Das Gelände ist überschaubar. Die große zentrale Halle steht aus baurechtlichen Gründen zwar nicht zur Verfügung, aber die anderen drei Hallen und die dazugehörigen Räume sind gut. Alles ist besser, als Menschen in Zelten unterzubringen.“
Bürgermeisterin Heike Brennecke: „Wir haben uns Mittwochvormittag bei einem Ortstermin alles angeschaut. Es gibt Sozialräume, große Flächen, gute Gestaltungsmöglichkeiten und ein tolles Außengelände. Und auch für die Mitarbeiter sind Räume vorhanden.“

Wie sieht der Vertrag aus?
Dr. Alexander Götz: „Es ist natürlich ein Mietvertrag. Solche Notunterkünfte sind nicht auf Langfristigkeit angelegt.“

Wie lange sollen die Flüchtlinge denn bleiben?
Dr. Alexander Götz: „Angestrebt ist eine Verweildauer für jeden Flüchtling von nicht mehr als ein paar Wochen, spätestens wenn die Asylverfahren abgeschlossen sind. Wir wollen, dass die Menschen, die kommen, erstklassig integriert werden. Aber das klappt natürlich nicht in Notunterkünften, sondern anschließend erst in den Kreisen und Gemeinden, wo die anerkannten Asylbewerber bleiben.“

Wann geht es los?
Dr. Alexander Götz: „Sobald der Vertrag unterschrieben ist, gibt es für die Johanniter den Startschuss zur Vorbereitung der Immobilie.“
Thorsten Renken, Dienststellenleiter des Johanniter-Ortsverbandes Hildesheim: „Wir begrüßen immer einen Start am Freitag, dann haben unsere ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer das Wochenende Zeit, anzupacken.“
Stadtbrandmeister Rüdiger Schulz, Freiwillige Feuerwehr Sarstedt: „Auch für die Feuerwehr ist das Wochenende ideal. An diesem Standort müssen möglicherweise auch erst Hochregallager versetzt oder ausgeräumt werden. Das braucht Zeit.“
Helfried Basse: „Wir gehen davon aus, dass die 3 Hallen nach und nach fertiggestellt und genutzt werden können. So wie auch die Flüchtlinge nicht alle auf einmal kommen.“

Was wird hier passieren?
Thorsten Renken: „Die Menschen werden hier registriert, sie bekommen eine Identifizierungskarte für die Unterkunft, einen ärztlichen Grundcheck. Später wird es auch sicher Angebote für die Flüchtlinge geben. Das ist abhängig davon, was für Menschen kommen, ob vor allem Familien mit Kindern oder alleinstehende Männer. Wir werden die notwendigen Strukturen aufbauen. Bei Sprachkursen, Kinderbetreuung o.ä. sind wir aber später auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Wenn sich da kompetente Bürgerinnen und Bürger melden, freut uns das.

Wie viele Flüchtlinge könnte die Unterkunft aufnehmen?
Dr. Alexander Götz: „Das Land plant bis zu 1000. Endgültig entscheiden das aber die Johanniter nach Sichtung der Gegebenheiten. Die sagen, wie viel machbar ist. Grundsätzlich sollen die Belastungen erträglich bleiben.“

Wie ist die Lage?
Dr. Alexander Götz: „Täglich kommen 500 bis 700 Flüchtlinge im Land an. Sie brauchen eine erste Aufnahme, Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf. Seit Ende August sind 9600 Plätze in 22 Notunterkünften entstanden. Weitere, so wie jetzt in Sarstedt, werden hinzukommen.“

Kommen noch mehr nach Sarstedt?
Helfried Bass: „Es ist wie es ist. Das kann im Kreis jederzeit wieder passieren, dass ein Zug kommt. Da ist keine Gemeinde vor gefeit. Aber als Landkreis wollen wir jetzt, da die Notunterkunft des Landes kommt, nicht noch weitere Flüchtlinge in Sarstedt unterbringen.“

Wie ist die Zusammenarbeit von Land und Stadt?
Dr. Alexander Götz: „In Sarstedt und dem Kreis gibt es eine sehr konstruktive und kooperative Stimmung. Bürgermeisterin Heike Brennecke hat durchaus auf mögliche Probleme hingewiesen, aber nicht schwarzgemalt.“
Heike Brennecke: „Ich habe Vertrauen in die Strukturen im Land, sie funktionieren. Wir bewältigen das. Das Thema hat auch bei uns im Rathaus höchste Priorität. Es kann jeden Bereich betreffen. Ich hoffe auf die konstruktive Zusammenarbeit aller.“
Helfried Basse: „Wir brauchen das Engagement vieler. Und Verständnis. In Notsituationen kann auch mal bei uns was liegen bleiben, das nicht so Vorrang hat. Aber wir meistern das gemeinsam und gemeindeübergreifend.“

Seit wann wissen Sie davon?
Heike Brennecke: „Dienstag wähnten wir uns noch in ruhigem Fahrwasser mit bis dato 77 dezentral untergebrachten Flüchtlingen, die von zwei hauptamtlichen Mitarbeitern der Stadt betreut werden. Dann kam Dienstagnachmittag die Nachricht.“

Was erwarten Sie?
Bürgermeisterin Heike Brennecke: „Sarstedt steht vor einer riesigen Herausforderung, aber jeder wird seinen Beitrag leisten können aber auch müssen.“

Gibt es Bedenken hinsichtlich der Sicherheit?
EPHK Rainer Kahr, Leiter der Sarstedter Polizei: „Ich sehe das gelassen. Zurzeit sind wir für 62.000 Menschen in unserem Kommissariat zuständig, dann sind es halt 63.000. Für Gespräche wird die Polizei regelmäßig vor Ort sein. Und wir werden solidarisch unterstützt von den anderen Dienststellen. Ansonsten haben wir Vorsorge getroffen, damit nichts passiert.“

Wie läuft es?
Dr. Alexander Götz: „Es ist toll, wenn man wo anruft und die Feuerwehr, das THW usw. sagen „Wir machen das“. Wir sind diesen Hilfsorganisationen mit ihren vielen Ehrenamtlichen zu Dank verpflichtet. Sie verdienen Anerkennung und Respekt.“
Thorsten Renken, Dienststellenleiter des Johanniter-Ortsverbandes Hildesheim: „Marc Küchemann, der den Einsatz leiten wird, hat bereits Erfahrung, gesammelt allein in den letzten vier Wochen. Die Johanniter betreiben in Niedersachsen acht Notunterkünfte. Das ist immer eine logistische Meisterleistung. Aber wir sind gut gerüstet, haben große Mengen Decken, Betten etc. bevorratet.“

Wie schnell kann die Unterkunft vorbereitet werden?
Thorsten Renken: „Ab Startschuss brauchen wir fünf bis sechs Tage. Die Hallen müssen geräumt, (Stell-)Wände eingezogen, Plätze geschaffen und Betten aufgestellt werden. Eine Sanitätsstation muss eingerichtet und ein Einsatzplan für die Helfer erstellt werden.“

Wie viele Mitarbeiter braucht es, um die Unterkunft zu bewirtschaften?
Thorsten Renken: „10 bis 15 Hauptamtliche sind für den Betrieb nötig. Dazu kommen Ehrenamtliche und zum Beispiel die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Mit dem arbeiten wir schon länger zusammen und das klappt gut. Die Johanniter arbeiten außerdem landesweit mit Caterern zusammen. Zuerst wird die Essensausgabe durch Johanniter und Ehrenamtliche gemacht, später stellen wir dafür Leute ein.“

Werden Helfer benötigt?
Thorsten Renken: „Wir freuen uns über jede helfende Hand. Aber auch das müssen wir erstmal koordinieren. Deshalb bitten wir um Geduld. Das wird sich einspielen.“

Und wie sieht es mit Sachspenden aus?
Thorsten Renken: „Momentan bitten wir, von diesen erstmal abzusehen. Wir müssen erst abklären, was wirklich gebraucht wird. Es ist einfach noch zu früh, erst muss es geordnet losgehen. Die Johanniter werden aber immer ganz aktuell informieren, was wann gebracht wird.
Heike Brennecke: Auf der Internetseite der Stadt werden wir informieren. Und unter sarstedt-hilft@sarstedt.de oder T. 05066-805-0 sind wir für Hilfsangebote sehr dankbar. Dann können wir das organisieren.

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