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Weihnachtsparty in der Notunterkunft: Gospel, Geschenke und Grillen

KB25122015CampWeihnachtsfeierWeihnachtsmann

Sarstedt (stb). Die Kinder der Notunterkunft an der Helperder Straße haben sich von allen Bewohnern wohl am intensivsten auf das diesjährige Weihnachtsfest vorbereitet, für viele, aber nicht alle das erste in ihrem Leben. In den letzten Tagen und Wochen wurde in der Kinderbetreuung des Camps gebastelt und gesungen, ganz wie in deutschen Kindergärten und Schulen auch. Erzieherin Daniela Ahrens hatte mit ihnen unter anderem „Lustig Lustig tralla lalla la“ eingeübt. Ministerpräsident Stephan Weil bekam bei seinem Besuch zwei Tage vor Heilig Abend sozusagen die Generalprobe zu hören. Am Weihnachtstag dann war der Besuch, dem die Kinder das Lied vorsangen, für sie, subjektiv betrachtet, ungleich wichtiger: der Weihnachtsmann kam, und das gleich in zweifacher Ausfertigung. Als kurz nach 12 Uhr die beiden wohlbeleibten, weißbärtigen Männer in rotem Mantel und Mütze in die mit einigen Bäumchen geschmückte Medienhalle des Camps kamen, war das Hallo groß. „Papa Noël“ ist auch bei den syrischen Kindern bekannt. Insbesondere in den weltoffeneren Großstädten des Landes, wie dem nordsyrischen Quamischli, das bis vor ein paar Jahren multikulti, multiethnisch und multikonfessionell war, feierten manche muslimische Syrer mit christlichen Freunden. So auch Ismail Hussein, der in der Heimat vor dem Krieg schon öfters den Weihnachtsmann gab. Als im Camp in Sarstedt nun die Feier organisiert wurde, war Hussein schnell dabei. Mit dem arabisch und kurdisch sprechenden Syrer stand an Heilig Abend nun außerdem ein Farsi sprechender Afghane auf der Bühne und verteilte an jedes Kind persönliche Geschenke. Das war durch ein kleines deutsches Organisationswunder ermöglich worden: Die Kinder – immerhin 120 an der Zahl – hatten in der Adventszeit in der Kinder-Halle Wunschzettel gemalt und geschrieben. Diese fanden ihren Weg an den Wunschbaum der Investitions- u. Förderbank Niedersachsen – Nbank. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NBank und der Niedersächsischen Staatskanzlei haben diese Wünsche individuell erfüllt. Liebevoll verpackte Päckchen und Pakete wurden so an die Kinder verteilt, die sie sich nach dem Aufrufen ihres Namens bei den Weihnachtsmännern abholen konnten. Bei den Mädchen waren Barbies stark gefragt, aber auch eine heiß ersehnte Winterjacke, ein Puzzle, eine Fußballerpuppe und ein Plüschpinguin machten Freude. Weitere mit Malutensilien gefüllte 40 Päckchen, die die Peter-Ustinov-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Kunstbedarfhandel Boesner gespendet hatte, wurden zudem an Kinder verteilt, die erst nach der Wunschzettelaktion im Camp angekommen waren. Vor dem Eintreffen der beiden Geschenkebringer hatte bereits der Gospelchor der Maranatha Mission International, einer christlichen Freikirche, die auch in Sarstedt aktiv ist, mit schwungvollem Gesang die Zuhörer in Stimmung gebracht. Viele der Flüchtlinge filmten den abwechslungsreichen Programmpunkt mit ihren Handys, Mitklatschen war ausdrücklich gewünscht. Im Anschluss drängten sich alle an den Grills, die draußen im anfänglichen Sonnenschein aufgestellt worden waren. Das weihnachtliche Barbecue wurde von Beilagen, die die Bewohner aus ihren Herkunftsländern kennen, begleitet. Taboulé, Humus, Fladenbrot und Oliven waren dabei, aber auch norddeutscher Krautsalat. Als Highlight schenkten die Helfer Cola, Apfelsaftschorle und Ayran, ein Erfrischungsgetränk auf Joghurtbasis, aus. Üblicherweise gibt es im Camp nur Wasser und Tee.

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