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Regenbogenschüler treffen Ministerpräsidenten, Scheinriesen und Treppenseppel

kb07122016weilregenbogenvorlesen1-kopieSeit 2004 findet alljährlich am dritten Freitag im November der Bundesweite Vorlesetag statt. Er ist eine Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung.

Einen Tag vor dem offiziellen Termin bekamen die Schülerinnen und Schüler des vierten Jahrgangs der Regenbogenschule „etwas zu hören“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil war schon am Donnerstag, dem 17. November zu Gast in Sarstedt, um seinen Teil zum bundesweiten Vorlesen beizutragen. Mitgebracht hatte er neben einigen Büchern als Geschenk für die Schulbücherei auch den Kinderbuchklassiker „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Begrüßt und verabschiedet wurde er vom Schulchor mit der Schulhymne und einem extra für den Anlass getexteten „Lied vom Lesen“.

Schulleiterin Marion Heuer hielt ein nachdrückliches Plädoyer für den Wert des Vorlesens. Es stärke nicht nur familiäre Bindungen und fördere den gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern trage auch wesentlich zur Entwicklung der sogenannten Vorläuferkompetenzen beim Schriftspracherwerb bei. Auch im Zeitalter von Fernsehen und digitaler Medien liebten neun von zehn Kindern, so habe eine Studie ergeben, das Vorlesen.

Stephan Weil konnte dies gleich im Anschluss anhand der Aufmerksamkeit seines jungen Publikums nachprüfen, als er aus Endes Buch die Episode vorlas, in der Lukas und Jim den „Scheinriesen“ treffen. Ein altes, einsames Männchen, das nur auf große Entfernung gewaltig groß und gefährlich erscheint, beim Näherkommen jedoch immer kleiner und unauffälliger, geradezu freundlich wird. Weil versicherte den Kindern: „Ein schönes Buch ist besser als jedes Fernsehen. Und wer gern liest, der liest auch gerne vor.“ Weil outete sich anschließend als bekennender Gern- und Vielleser sowie als guter Vorleser. Er gestaltete die Stimmen der einzelnen Figuren individuell und treffend, Lukas bekam ein sonores, kräftiges Organ, Jim war ängstlich, verzagt und deutlich noch nicht im Stimmbruch und Tur Tur, der Scheinriese, fiepste fast ein wenig mit seiner heiseren, hohen Stimme. Weil führte seine Zuhörer in einem kleinen Gespräch in die Geschichte ein, fragte ab, wieviel die Kinder darüber wissen und vergas auch nicht die Moral, die da heiße „nur das was man nicht kennt, macht wirklich Angst. Es gibt ganz viele Scheinriesen: Es gibt ganz viele Leute, die sind gar nicht so toll, wie sie tun. Deshalb muss man die erstmal kennenlernen.“ Als Zugabe präsentierte der Ministerpräsident „Eine Zungenbrechergeschichte“, ebenfalls von Michael Ende, dessen Herausforderung ein immer länger werdendes Wort ist. Auf insgesamt 191 Zeichen kommt das Adjektiv schlappersteppen(…)treppenlappensuppenseppel(…)schnuppe.

Und weil noch Zeit war, durften die Kinder, die entweder sehr spontan und kreativ oder gut vorbereitet waren, noch Fragen stellen: Buch oder E-Book? – „Buch! Ich will umblättern!“ Das erste Buch? – „Der Sportteil der Zeitung. Wegen der Ergebnisse von Hannover 96.“ Lesezeit? – „Im Urlaub, am Wochenende, immer wenn ich Zeit habe.“ Lieblingsautor? „Ganz viele. Gerade amerikanische Autoren schreiben oft ganz dicke Bücher, die man ganz schnell liest, weil sie so spannend sind.“ Aktuelles Buch? – „Eine afrikanische Autorin.“ Hörbücher? – „Nein, aber ich verbinde manchmal ruhige Hintergrundmusik mit Lesen.“ Das dickste Buch? „Die drei Bände Herr der Ringe in einer Woche durchgefressen.“ Und welches Buch liest der Ministerpräsident seinem Sohn vor? „Ach der ist jetzt schon 29 Jahre alt. Aber ganz am Anfang haben wir gerne `Bobo Siebenschläfer´ gelesen.“ Da nicken die Grundschullehrerinnen zustimmend. Sarstedt (stb). 

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