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Von dem Glück, so viel zu dürfen, ganz ohne Einschränkung

Für die meisten ist es selbstverständlich: Urlaub in Dänemark oder Kroatien, Studieren in Österreich, Arbeiten in Schweden, Schüleraustausch nach Frankreich, die Haushaltshilfe aus Polen, Salami aus Italien, Bier aus Tschechien und vielleicht sogar ein Shoppingtrip nach London. Ganz einfach so, spontan, ohne große Bürokratie im eigenen Alltag. Dass das alles so einfach für uns alle ist, liegt vor allem auch daran, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sich auf viele, die Bürger, den Handel und das Miteinander entlastende Regeln geeinigt haben. Freizügigkeit, keine Grenzkontrollen… Und weil das für viele so selbstverständlich ist, vergessen die meisten, das es erst 68 Jahre her ist, dass sich die ersten sechs europäischen Länder, die sich 1945 nach dem Krieg noch spinnefeind waren, 1951 zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit entschlossen. Wir erleben bis heute die längste Friedensphase aller Zeiten. Inzwischen hat die EU 28 Mitgliedsstaaten, 19 von ihnen haben den Euro als offizielle Währung.

Doch Europa, so scheint es, ist in Gefahr, bedroht einerseits von rechtspopulistischen Kräften, die nur auf ihren eigenen kleinen Horizont schauen, andererseits aber auch von Menschen, die vergessen, was Europa ihnen selbst alles nützt. Und wovor es schützt. Deshalb nimmt die Beteiligung an der Wahl zum Europäischen Parlament, der Europawahl, die seit 1979 eine Direktwahl ist, beständig ab. Doch Europa ist etwas, das gepflegt werden will, auch durch die Abgabe der eigenen Stimme bei der Wahl. Das Bewusstsein dafür muss wieder wachsen.

Die Kolpingsfamilie Sarstedt in Kooperation mit der Volkshochschule Hildesheim lädt deshalb am Mittwoch, dem 8. Mai 2019 um 19.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der die verschiedenen Facetten des politisch organisierten Konstrukts „Europa“ beleuchtet werden sollen. Im Pfarrheim der Heilig Geist Gemeinde, Bischof-von-Ketteler-Platz 1 in Sarstedt sind an diesem Abend die unterschiedlichsten Referenten zu Gast. Ute Bertram (CDU) und Dr. Cornelia Ott (SPD) sind Kandidatinnen zur Wahl des Europaparlaments.

Die 19-jährige Pia Holstein und der 21-jährige Konstantin Gerbrich sind Teil des dreiköpfigen Pulse-of-Europe-Leitungsteams in Hildesheim. Pulse of Europe? Die 2016 gegründete, über die Grenzen Deutschlands hinaus agierende Bürgerinitiative ist überparteilich und unabhängig. Sie will dem „europäischen Gedanken“ wieder Gesicht verleihen und Gehör verschaffen. Ein wichtiger Aspekt sind ihre regelmäßigen Pulse-of-Europe-Kundgebungen. In Hildesheim trifft man sich einmal monatlich, um öffentlich zu machen, wie wichtig Europa ist. Für alle.

Die Kandidatinnen sollen, so das Konzept der Organisatoren, ihre Gedanken zur Europapolitik, insbesondere der Weiterentwicklung der EU und des Euro präsentieren. Die Pulse-of-Europe-Aktivisten werden ihre Forderungen an die Europapolitik vorstellen. Jochen-Konrad Fromme, ehemaliges Mitglied des Bundestages, und der Sarstedter Landtagsabgeordnete Markus Brinkmann werden als weitere Referenten hingegen darlegen, welche Bedeutung die EU für die Bundespolitik sowie für die Landes- und Kommunalpolitik hat. Im Anschluss soll Gelegenheit für Fragen und zur Diskussion sein.

„Uns geht es so gut wie nie“, betont Edda Klukkert von der VHS, doch, so ergänzt Kolpingbruder Heinrich Albers, „das Gute ist zu selbstverständlich geworden, es ist fragil!“

Günter Egbers und Heinrich Albers von der Kolpingsfamilie Sarstedt sowie Edda Klukkert (Mitte), Leiterin des VHS-Regionalbüros Sarstedt, stehen voll hinter dem europäischen Gedanken. Klukkert: „Jacques Delors, vor langer Zeit Präsident der Europäischen Kommission, hat mal gesagt, Europa müsse dringend in Bewegung bleiben. Es sei wie bei einem Fahrrad – hält man es an, fällt es um.“