135 Jahre Traditionskameradschaft Gödringen–Hotteln–Sarstedt

Mit einer neuen Jubiläumsscheibe, hier präsentiert von Jens Härke, Günter Sahm und Rainer Weise, verewigte die Traditionskameradschaft ihr 135-jähriges Bestehen. (Fotos: Wilko Finke)

Am 28. März 2026 feierte die Traditionskameradschaft Gödringen–Hotteln–Sarstedt ihr 135-jähriges Bestehen. Seit mehr als einem Jahrhundert ist der Verein ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im südlichen Landkreis Hildesheim. Die Kameradschaft versteht sich als Hüter historischer Verantwortung, als Ort gelebter Gemeinschaft und als Träger von Heimat- und Brauchtumspflege. In einer Zeit, in der ehrenamtliche Strukturen vielerorts unter Druck geraten, behauptet sie ihren Stellenwert als verlässlicher Ankerpunkt im dörflichen Miteinander.

Die Wurzeln des Vereins reichen zurück bis ins Jahr 1891, als neunzehn ehemalige Soldaten die „Kriegerkameradschaft Gödringen“ gründeten. Bereits 1900 erfolgte der Anschluss an den Kyffhäuserbund, der 1943 zwangsaufgelöst wurde. Nach der Wiedergründung im Jahr 1953 trat die Kameradschaft 1957 erneut dem Kyffhäuserbund bei. Eine strukturelle Neuausrichtung erfolgte 2016 mit dem Beitritt zur Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung (BKV).
Seither trägt der Verein den Namen Traditionskameradschaft Gödringen–Hotteln–Sarstedt und ist heute in der Niedersächsischen Kameradschaftsvereinigung (NKV) organisiert. Diese Entwicklung spiegelt den Wandel von einer klassischen Kriegerkameradschaft hin zu einem modernen Traditionsverein wider, der demokratische Werte, regionale Verbundenheit und verantwortungsvolle Erinnerungsarbeit in den Mittelpunkt stellt.

Die Jubiläumsfeier begann am späten Nachmittag mit einem würdevollen Gedenken am Ehrenmal in Gödringen. Begleitet vom Sarstedter Blasorchester, mit dem die Kameradschaft auf eine fast vier Jahrzehnte währende musikalische Zusammenarbeit zurückblickt, wurde ein Kranz zu Ehren der Gefallenen und Opfer der Kriege niedergelegt. Der Moment des Innehaltens unterstrich die historische Tiefe des Vereins und seine Verpflichtung zur Erinnerungskultur.

Im Anschluss zog die Festgesellschaft zum Gutshof Busch, wo der offizielle Festabend stattfand. Durch den Abend führte der 1. Vorsitzende Günter Sahm, der auch die Eröffnungsrede hielt und die zahlreichen Gäste begrüßte. Unter ihnen befanden sich der stellvertretende Landrat des Landkreises Hildesheim, Justus Lüder, die Sarstedter Bürgermeisterin Heike Brennecke, die Ortsbürgermeisterin von Gödringen, Heidi Weise, sowie die Ortsbürgermeister Dirk Warneke (Hotteln) und Heinrich Hennies (Ingeln-Oesselse). Ebenso nahmen der Vorsitzende des Kreisverbandes Hannover der NKV, Horst Schaefer, und der Ehrenvorsitzende Fred Scheibe teil. Die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde wurde durch Dr. Ingrid Otto vertreten. Auch Matthias Kappenberg, Vorsitzender der Traditionskameradschaft Rössing, sowie Rainer Weise, Vorsitzender des Schützenvereins „Vivat“ Gödringen von 1911 e.V. und neuer Schießsportleiter der Kameradschaft, waren anwesend. Für die Absicherung des Marschweges sorgte die Feuerwehr Gödringen unter Leitung von Ortsbrandmeister Dave Grohens. Die Dokumentation des Abends in Wort, Schrift und Bild übernahm Wilko Finke.

Im Rahmen des Festaktes wurden mehrere Mitglieder für ihre Verdienste geehrt. Reinhard Franke erhielt in Abwesenheit das Treuekreuz in Gold für über 50 Jahre Mitgliedschaft. Gunnar Pahlke und Jens Härke, der zugleich 2. Vorsitzender der Kameradschaft ist, wurden mit der Jubiläumsmedaille der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung ausgezeichnet – als Anerkennung für ihren langjährigen persönlichen Einsatz und ihre stetige Unterstützung in allen Bereichen des Vereins.

Darüber hinaus überreichte Schießsportleiter Rainer Weise vier neue Fahnenbänder: drei für die vorhandenen Vereinsfahnen sowie ein weiteres an die Feuerwehr Gödringen, die zwar noch keine eigene Fahne besitzt, aber seit Jahren eng mit der Kameradschaft verbunden ist. Eine besondere Premiere stellte die neue Jubiläumsscheibe dar, die pünktlich zum Fest fertiggestellt wurde und ab Mitte April beim Frühlingsschießen des Schützenvereins „Vivat“ Gödringen erstmals ausgeschossen wird.

In den Festansprachen wurde die wechselvolle Geschichte des Vereins hervorgehoben, der seit 1891 durch Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Diktatur, Besatzungszeit und Demokratie Bestand hatte. Historische Dokumente, Abzeichen und Auszüge aus der Chronik veranschaulichten die Entwicklung der Kameradschaft über mehr als ein Jahrhundert.

Der Abend klang in geselliger Runde aus – ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition, Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein in Gödringen, Hotteln und Sarstedt bis heute zusammengehören.