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Internationaler Aktionstag setzt Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen Fahne weht auch vor Sarstedter Rathaus

 

kb07122016praeventiongewaltAm 25. November 2001 ließ die Menschenrechtsorganisation TERRES DES FEMMES erstmals bunte Fahnen wehen, um am internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“ ein Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen zu setzen.

Seit Mittwoch, dem 23. November weht das blaugrundige Tuch auch vor dem Sarstedter Rathaus, zeitgleich mit vielen gleichen Fahnen weltweit. Darauf der Slogan „frei leben – ohne Gewalt“. Es ist die Forderung nach einem gleichberechtigten, selbstbestimmten und freien Leben für Mädchen und Frauen weltweit.

Der Gedenktag geht auf die Ermordung dreier Schwestern in der Dominikanischen Republik am 25.11.1960 zurück, die nach monatelanger Folter vom militärischen Geheimdienst getötet wurden, nachdem sie sich im Untergrund am Kampf gegen den Diktator beteiligt hatten. Daraus entwickelte sich die Idee eines Eintretens gegen Unrecht jeglicher Art.

Laut der Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden mehr als die Hälfte aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästigt, jede vierte Frau erfährt mindestens einmal Gewalt durch ihren Partner. Weltweit ist jede dritte Frau Opfer von Gewalt.

Dabei findet die Gewalt – auch in Deutschland – üblicherweise nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Vorborgenen der eigenen vier Wände durch eine nahestehende Person statt. Es geht um häusliche Gewalt, Zwangsehen oder Genitalverstümmelung. Auch in Deutschland. Dabei ist Gewalt gegen Frauen seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes 2002 als Straftatbestand definiert und wird von Polizei und Gerichten als solche verfolgt. Doch noch immer ist das Thema ein Tabu. „Aus meiner Zeit im Sozialamt weiß ich, dass das in allen gesellschaftlichen Schichten und Kulturen vorkommt“, so Stadtkämmerin Birgit Beulen vom Arbeitskreis „Zivilcourage + Sucht und Gesundheit + Senioren“ des Präventionsrats der Stadt Sarstedt, die sich mit Bürgermeisterin Heike Brennecke einig ist: „Nicht das Opfer muss sich schämen. Die Scheu darüber zu reden muss raus. Dieser Tag ist wichtig, um das Thema öffentlich zu machen!“ „Wir müssen weg von `das geht uns nichts an´ zu `das geht mich was an´“, so Stadtjugendpflegerin Jessica Schablow. Und wenn man auch nur bei der Polizei anrufe und nachfrage, was man tun könne. Oder für die Betroffene eine Notrufnummer bereithalte.

Doch immer wieder müssen Frauen, die vor dieser Gewalt in ein Frauenhaus fliehen wollen, abgewiesen werden, weil die Häuser belegt sind oder die nötige Finanzierung fehlt. Eine bundesweit einheitliche Finanzierung gibt es nicht. Zudem fallen manche Betroffene durch das Raster, weil sie kein Anrecht auf entsprechende Sozialleistungen haben, so zum Beispiel Studentinnen oder Asylbewerberinnen. Viele müssten ihre Zuflucht aus eigener Tasche bezahlen, so Jessica Schablow vom Präventionsrat. Der Arbeitskreis beteiligt sich in diesem Jahr an der Fahnenaktion „NEIN zu Gewalt an Mädchen und Frauen“. Zudem werden, wie schon in den vergangenen Jahren, in der Stadt und im Landkreis Hildesheim wieder gelbe Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte“ über Bäckereien, Kioske oder Lebensmittelläden verteilt. 5000 sind es dieses Jahr.

An der Sarstedter Rathaustreppe hängt außerdem eine Wäscheleine mit niedlichen kleinen Kinder-T-Shirts. Diese sind allerdings nicht mit lustigen Sprüchen bedruckt, sondern mit Aussagen, die Kinder zu Gewalt in ihrem Umfeld gemacht haben: „Ich möchte zu Papa sagen: Du bist blöd! Warum hast du Mama geschlagen? Aber dann wird er mich schlagen.“ Sarstedt (stb). 

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