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Auf der Suche nach dem Kick

Bildhaft und unterhaltsam erzählte Klaus F. Schmidt auf Einladung des Präventionsrates Sarstedt in der Stadtbücherei, wie er zum Millionär wurde und durch Glücksspielsucht bis zum Hartz-IV-Empfänger abrutschte.

Schmidt, der damals als Unternehmensberater arbeitete, wurde von einem Freund überredet, den noch unbekannten „Sodastream“ zu vermarkten. Es war die Herausforderung, die Schmidt reizte, denn finanziell stand die Firma so schlecht da, dass die Sekretärin eigenes Schreibpapier mitbringen musste.

Schmidt besuchte zielsicher große Handelsunternehmen. Dort bekam er allerdings meist Arroganz und Überheblichkeit zu spüren. Aber genau das war der Kick, der ihn anspornte. In den 1990er Jahren lief im Fernsehen die Hobbythek von Jean Pütz. Deshalb schickte Schmidt einen Wassersprudler an den Moderator und rief danach mehrfach die genervte Sekretärin an. Nur weil er versprach, danach nie wieder anzurufen, probierte sie schließlich den Sodastream aus und war begeistert. Mit der Firma ging es inzwischen derart bergab, dass der Partner Insolvenz anmelden wollte. Doch dann rief Pütz selber an und teilte mit, dass das Gerät in der nächsten Hobbythek vorgestellt würde. Danach schossen die Verkaufszahlen dermaßen hoch, dass die Firma mit der Lieferung nicht nachkam. Schmidt arbeitete wie besessen, bis seine Gesundheit nicht mehr mitmachte und er Dauergast auf der Intensivstation zu werden drohte. Er folgte dem Rat des Arztes und verkaufte 1998 seinen Firmenanteil.

Nun gönnte er sich ein großes Haus am niederländischen Ijsselmeer, eine schöne Yacht und einen roten Flitzer. Aber so richtig freuen konnte er sich daran nicht. Ihm fehlte nach dem Ausscheiden aus der Firma der Kick.

Bei einem Restaurantbesuch in Bad Zwischenahn blickte er auf die dortige Spielbank und wurde neugierig. Gleich am ersten Abend verlor er eine hohe Summe und ärgerte sich darüber, gegen den Roulettekessel verloren zu haben. Das trieb ihn wieder ins Casino. Nicht wegen des schnellen Geldes, er hatte ja immerhin noch fünf Millionen auf dem Konto, sondern wegen des Kicks gegen die Maschine gewinnen zu wollen. Manchmal gelang ihm das sogar. So gewann er an einem Abend 108.000 DM. Die Spielbankbesuche häuften sich, das Guthaben schmolz. Haus, Yacht und Autos wurden verkauft und schließlich war nichts mehr da. Als Schmidt den letzten Groschen verspielt hatte, war er obdachlos.

Er fand Unterschlupf bei einem Freund. Sein Anwalt riet ihm gegen die Spielbank zu klagen. Obwohl er sich wegen seiner Glücksspielsucht hatte sperren lassen, hatte man ihm Einlass gewährt. Er war ja schließlich ein „guter“ Kunde, der stets hohe Beträge setzte. Allerdings entschied der Richter, dass Schmidt nicht spielsüchtig sei, denn er wäre ja nicht kriminell geworden, um sich neues Geld zum Spielen zu beschaffen.

Schließlich verarbeitete der Ex-Millionär seine Geschichte in dem Buch „Nichts geht mehr“. Die Medien wurden aufmerksam. Schmidt wurde in Talkshows eingeladen. Er sah in seinen Fernsehauftritten die Chance auf die Spielsucht aufmerksam zu machen. Jedoch begegnete ihm nur Oberflächlichkeit, bei der es nur um gute Zuschauerquoten ging. So wurde bei einer Fernsehsendung ein Roulettetisch ins Studio gestellt und bei einer anderen Talk-Show brachte man ihn in einem Hotel unter, das sich neben einem Casino befand.

Auch Politiker, die er anschrieb, zeigten kein Interesse für das Problem. „Schließlich profitiert der Staat von den Einnahmen aus dem Glücksspiel“, meint der Ex-Millionär. Dabei sei die Suizid-Gefahr bei Spielsüchtigen am höchsten.

Foto: Klaus F. Schmidt zeigt ein Foto von dem Haus, das er durch seine Spielsucht verlor

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