Schule im Wandel: Dritte Sarstedter Grundschule setzt neue Maßstäbe

Dort, wo jetzt noch Schutthaufen liegen und Bauzäune und Flatterbänder den Weg versperren, sollen Grünflächen und Spielgeräte künftig zwischen den Unterrichtsstunden zum Toben und Entspannen einladen.

Noch bestimmen lose Kabel, offene Deckenelemente und Baugerüste das Bild der dritten Grundschule Auf der Kassebeerenworth. Doch in nur wenigen Wochen, mit Beginn des neuen Schuljahres, sollen hier bereits die ersten Schülerinnen und Schüler einziehen, um gemeinsam mit ihren Lehrkräften zu lernen und zu wachsen. Gemeinsam mit den am Projekt Involvierten sowie dem künftigen Schulteam warfen Vertretende aus Politik, Bildung und Stadtverwaltung einen Blick in das moderne Schulgebäude. Und diese hatten allerhand über das räumliche und pädagogische Konzept zu sagen.

Gut ein Jahr nach dem Richtfest herrscht Auf der Kassebeerenworth noch weitestgehende Baustellenromantik. Wann das Projekt beendet sei? „Das Gebäude: alsbald. Die Schule: hoffentlich nie“, so Bürgermeisterin Heike Brennecke und erläutert, „eine gute Schule entwickelt sich immer weiter.“ Schließlich erschaffe man hier nicht einfach nur Klassenräume, sondern Orte, an denen Kinder ihre Talente entdecken und neue Freundschaften schließen könnten. Hierfür brauche es Menschen, „die mit Leidenschaft Schule gestalten“.

Wie ein Maßanzug, der dennoch allen passen muss: Mit der Konzipierung des Neubaus habe man sich bemüht, moderne Räumlichkeiten zu schaffen, die flexibel genug seien, um verschiedene pädagogische Konzepte umsetzen zu können, erklärt Daniel Rozynski, Leiter CKRS Architekten Berlin.

Gute Bildung beginnt mit guten Rahmenbedingungen“, konstatiert Uwe Mensching, aktueller Leiter des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung. Mit der dritten Sarstedter Grundschule habe man eine Infrastruktur und ein pädagogisches Konzept geschaffen, die „beispielhaft modern“ seien und die beweisen würden, dass hier „Schule vom Kind aus gedacht“ wurde, so Mensching, der selbst einmal als Leiter einer Grundschule tätig war. Anstatt an starren Strukturen festzuhalten, werde den pädagogischen Mitarbeitenden wie auch den Kindern mehr Raum für Flexibilität gegeben. So werde es an der Kassebeerenworth etwa keine klassischen Hausaufgaben geben, zudem sollen längere Lernzeiten anstelle 45-minütiger Taktung ermöglichen, tiefer in Themen eintauchen zu können. Generell läge ein großer Fokus auf den Schwerpunkten Individualität, Inklusion und Digitalisierung.

Dabei sei die Planung zwar von allen Involvierten kompetent mitgetragen worden, lobt Daniel Rozynski, Geschäftsführer CKRS Architekten Berlin, dennoch habe sich diese zunächst als nicht ganz einfach erwiesen. Beim Entwerfen einer neuen Schule sei es grundsätzlich Aufgabe der Architektur, das „pädagogische Verständnis“ des Lehrkollegiums räumlich zu stützen. Doch in diesem Projekt hat es während der Planungsphase noch kein bestehendes Kollegium, das man hätte miteinbeziehen können, gegeben – dies sei doch eher ungewöhnlich.

Seitens der Architekten habe man sich daher bemüht, Räume so „offen“ zu konzipieren, dass sie wie ein Anzug sitzen, der „allen passen“ müsse. So verfügt das Schulgebäude, das sich auf 6000 qm Fläche erstreckt, unter anderem über flexible Lernlandschaften, sogenannte „Cluster“, die sowohl Möglichkeiten für Gruppenarbeiten bieten als auch Rückzugsorte schaffen. Dabei habe man den Bau „konsequent ökologisch und nachhaltig gedacht“ und überwiegend mit Holz gearbeitet. Auch energetisch sei die Schule weitgehend autark. Der Lohn: Das Schulgebäude wurde mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) sowie mit der DGNB-Zertifizierung (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) in Silber ausgezeichnet.

Eine Schule besteht nicht aus Beton und Glas allein, sondern aus Menschen, die sie mitgestalten.“
Uwe Mensching, Leiter Regionales Landesamt für Schule und Bildung

Noch sind jedoch längst nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Zwar sollen die Unterrichtsräume bis zum Ende der Sommerferien bezugsfertig sein, doch im restlichen Gebäude wird auch nach dem Einzug der ersten Schülerinnen und Schüler weiter gewerkelt. Landrat Bernd Lynack sieht hier eine wichtige Lektion: „Die Kinder lernen auch, dass solche Prozesse dauern. Auch das gehört zum Leben dazu.“ Dass der Bau einer dritten Grundschule überhaupt nötig wurde, sei auch ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage auf das Leben in Sarstedt ungebremst anhielte. Nach langer Planung entstehe hier nun „ein wunderbarer Ort“, an dem Kinder „wichtige Werte“ wie Zusammenhalt und Gemeinschaft vermittelt bekämen. Werte, so Lynack, die in der heutigen Zeit wichtiger denn je seien.

Warme Holzelemente und hohe Decken lassen die leeren Klassenräume bereits jetzt heimelig, wenngleich noch ein wenig kahl wirken. Nach den Sommerferien werden hier die ersten Kinder der Klassenstufen 1 und 2 gemeinsam lernen.

Wir richten in Gedanken schon alles ein“, freut sich Stefanie Nikolic während der Besichtigung ihrer künftigen Lehrräume, die mit blanken Wänden und verdeckten Böden derzeit noch ein wenig kahl daherkommen. Die Grundschullehrerin, die bis dato an der Grundschule Moritzberg in Hildesheim unterrichtet hat, ist Teil des jungen Schulteams Auf der Kassebeerenworth und wird mit Beginn des neuen Schuljahres eine der neuen Klassen in ihre Obhut nehmen. Eine weitere Lehrkraft stößt aus der Grundschule Ricklingen dazu, die restlichen Lehrerinnen und Lehrer wechseln allesamt aus den beiden anderen Sarstedter Grundschulen in den Giebelstieg. Zur Seite steht ihnen dabei auch Kristin Krämer von der Alber-Schweitzer-Schule, die mit einem Etat von zwölf Wochenstunden als Förderlehrerin unterstützt. Den Posten der Schulleiterin übernimmt Inga Diekmann-Grünewald, die bis dato als Lehrkraft an der Kastanienhofschule tätig war.

Um ein gemeinsames pädagogisches Konzept auszuarbeiten, habe man sich zuvor mehrfach die Woche getroffen und Anregungen an anderen Schulen geholt, berichtet Stefanie Nikolic. Dabei stand für alle Beteiligten schnell fest, das „offene“ Raumkonzept auch pädagogisch weiterzuführen. So werde es nach dem Einzug in das neue Schulgebäude keine Trennung in Klassenstufe 1 und 2 geben. Vielmehr werden die Kinder in einer sogenannten Eingangsstufe jahrgangsübergreifend unterrichtet, sodass in jeder Klasse sowohl Kinder aus dem ersten wie auch aus dem zweiten Schuljahr gemeinsam lernen. Die Hilfe der älteren Kinder erleichtere den Jüngeren somit den Einstieg in den Schulalltag, während die „Großen“ bereits Erlerntes auf diese Weise noch einmal verfestigen könnten – ein Konzept, dass sich an anderen Grundschulen bereits bewiesen hat.

Während all jene Kinder, die bereits im Schuljahr 2025/2026 eingeschult werden und nach den Sommerferien in Klassenstufe 2 wechseln, zumindest den Schulalltag bereits kennenlernen durften, hält die Einschulung nach den Sommerferien für die Erstklässlerinnen und Erstklässler eine Menge Neues bereit. Bereits Ende Mai wurde daher ein kleines Kennenlerntreffen in der Kita Kassebeerenworth mit etwa 40 Schulanfängerkindern veranstaltet, im Rahmen dessen sich Kinder und künftige Lehrkräfte vorab ein wenig beschnuppern konnten. Das große Wiedersehen gibt es dann erst wieder zur Einschulung am 15. August. Bis dahin verkünden kleine Stühle, Tische und Regale und womöglich auch schon die ersten bunten Bilder an den Wänden: hier lernen und wachsen die klugen Köpfe von morgen.

/jph